Stiftung
Die 1991 von Ursula Blickle ins Leben gerufene und bis heute von ihr geleitete Stiftung sieht ihre Aufgabe darin,
zeitgenössische Kunst, Künstler sowie Kuratoren zu fördern und das öffentliche Interesse an neuen künstlerischen
Positionen zu wecken. Oftmals werden brisante Ausstellungen gezeigt, die vielleicht sonst nicht verwirklicht werden könnten.
Frei von bürokratischen Zwängen und in finanzieller Unabhängigkeit realisiert die Stiftung jährlich vier Ausstellungen,
die jeweils von einem Katalog begleitet werden. Durch Vorträge und Diskussionen, die mit den Ausstellungen einhergehen,
fungiert die Stiftung gleichzeitig als Schnittstelle zwischen Kunst und der interessierten Öffentlichkeit und bietet somit
Raum für Dialoge und Diskurse, die in der Kunst fundamental wichtig sind.
Durch konsequente Fortführung der qualitativ anspruchsvollen Arbeit, beweist die Ursula Blickle Stiftung einmal mehr,
dass Kunst auch fernab der großen Metropolen stattfinden kann.
Die gezielte Zusammenarbeit mit international agierenden
Institutionen, die sich ebenfalls der zeitgenössischen Kunst widmen, ermöglicht es der Stiftung ein anspruchsvolles
und zeitgemäßes Vermittlungsprogramm zu leisten.
Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien:
�Mit vier Ausstellungen im Jahr überbietet die Stiftung so manches
mittelstädtische Ausstellungshaus nicht nur quantitativ, sondern vor
allem auch durch die Aktualität der Themen und die Qualität der
künstlerischen Beiträge, deren Auswahl jeweils von internationalen
KuratorInnen getroffen wird. Ein von den Eigentümern persönlich
geleitetes Haus mit all seinen Merkmalen des Privaten, was hier
keineswegs gleich bedeutend ist mit Nicht-Repräsentativem, hat
gegenüber öffentlich-rechtlichen Institutionen die Vorteile fehlender
Bürokratie und finanzieller wie politischer Autonomie, die viele
kleinere infrastrukturelle �Mängel� auszugleichen scheint.
Das Ambiente des Hauses bietet allen, die sich hier künstlerisch
betätigen, eine gern anzunehmende Herausforderung.�
Peter Weiermair, Direktor der Galleria d�Arte Moderna, Bologna:
�Internationale aktuelle Kunst aus den USA, Südamerika, Europa
oder Japan in der tiefen deutschen Provinz � in Kraichtal. Nicht
nur in den Großstädten der Welt, sondern auch ausgerechnet hier
im Hinterland, im Mühltal, sind die Großen der zeitgenössischen
Kunst zu sehen. Was die Stiftung darstellt, verdankt sie vor allem
auch der Stifterin selbst, die überall mit Hand anlegt und eingreift,
Kritik übt und Zuspruch äußert, die unentschlossene Bürger zum
Eintreten auffordert, sie aber auch manchmal gehörig zusammenstaucht, wenn sie
Widerstand und Widerwillen spürt, die sich auf
das Lager und die Haltung der jüngeren Künstler abstützt, aber auch
von ihnen Zuspruch einfordert, wissend, dass man in dieser Haltung
zwischen allen Stühlen sitzt. Was die Stiftung darstellt, ist dieser
labile Zustand, der jedoch voll des Mutes zum Risiko ist und sich
immer wieder trotz Enttäuschungen und gerade wegen der Erfolge
das Weitermachen auf die Fahnen geschrieben hat.�
Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst, Frankfurt am Main:
�Es sind vorzugsweise private Kunsträume, die Möglichkeiten zu
experimentellen Ausstellungen bieten, weil sie gänzlich frei sind von
institutionellen Bedingungen und Zwängen. Ein solcher ausgezeichneter
Ort ist die Ursula Blickle Stiftung. Freiheit um der Kunst willen wird im
abgelegenen Kraichtal groß geschrieben. Innerhalb der Ausstellung Die
großen Gefühle erging an mich die Einladung, eine Ausstellung mit dem
Titel Joy zu kuratieren. Aber der eigentlich positiv konnotierte Titel erschien
mir für die Ausrichtung einer Ausstellung zu wenig herausfordernd.
Gleichzeitig wurde mir aber auch die Vieldeutigkeit dieses Begriffes immer
bewusster und in welchen obskuren Zusammenhängen dieser Begriff
überall auftaucht, so auch verstärkt im Kontext der Darstellung von Gewalt,
die zunehmend im Medium Film ihr adäquates ästhetisches Ausdrucksmittel findet.
Die Lust und das Verlangen zu quälen, zerstören und zu töten für Befriedigung
und Genuss wurde infolgedessen zum Thema der Ausstellung. Dabei galt das
Augenmerk nicht den Tätern, sondern dem faszinierenden und sogar unwiderstehlichen
Reiz, den eine gewaltige Tat auf das Publikum ausübt. Denn durch
seine sich im Voyeurismus manifestierende Lust am Grausamen
mutiert der Zuschauer zum (Mit-)Täter und die Darstellung des
Schrecklichen zur Banalität. Diese Mittäterschaft galt es dem
Betrachter visuell und physisch bewusst zu machen.�
Ursula Blickle
�Ich schätze vor allem immer wieder den lebendigen, energiegeladenen
Kontakt mit den Künstlern und Kuratoren und ihre Fähigkeit, die Räume der
alten Mühle neu zu entdecken und immer besser für ihre �Inszenierungen"
zu nutzen. Ich finde es spannend, neue Positionen kennen zu lernen und
bestimmte Arbeiten speziell für die gegebene Situation hier zu produzieren.
So gesehen, ist vielleicht gerade das Junge das Kapital der Stiftung. Durch
das Engagement der verschiedenen Kuratoren, die für mich tätig waren,
sind hier in Kraichtal künstlerische Positionen gezeigt worden, die manchmal
einige Jahre später eine prominente Rolle im internationalen Kunstgeschehen
gespielt haben. Werke in großen Ausstellungen wiederzusehen, die hier in
der Stiftung schon vor einiger Zeit gezeigt worden sind, so etwas freut mich
sehr. Das heißt aber nicht, dass ich mich als trendbewusste Wegbereiterin
sehe. Wenn Sie sich das Programm der letzten zehn Jahre ansehen,
sehen Sie in sich sehr konsequente, in ihrer Gesamtheit aber auch
sehr heterogene Ausstellungen. Diese Vielfalt ist mir wichtig.�
Ursula Blickle
�Im Gegensatz zu Museen und anderen Institutionen agiere ich als Privat-
mensch, was viele Vorteile hat. Es spielt keine Rolle, wie viele Besucher
in eine Ausstellung kommen, obwohl ich mich natürlich über jedes
Publikumsinteresse freue. Ich muss kein ausgewogenes Programm
vorlegen und kann den Kuratoren, die ich einlade, freie Hand lassen. Udo
Kittelmann beispielsweise hat für seine Ausstellung Joy überhaupt keine
Künstler eingeladen, sondern ein Programm aus Filmen und Videoclips
zusammengestellt. In einigen Fällen hat die Stiftung allerdings tatsächlich
den etablierten Kunstbetrieb ergänzt. Yilmaz Dziewior etwa hat eine
Ausstellung mit Cosima von Bonin kuratiert, die später weiter entwickelt
im Kunstverein in Hamburg gezeigt worden ist. Überhaupt sind viele
Ausstellungen nach der Präsentation hier an anderen Orten gezeigt worden,
in Kunstvereinen und Museen. Auch die Katalogpublikationen,
die jede Ausstellung begleiten, sind oft in Kooperation mit diesen
Institutionen entstanden. Insofern sehe ich meine Stiftung nicht
als Konkurrenz zu anderen Ausstellungsorten, sondern eher als
Ergänzung, die dort unterstützt, wo das Geld zunehmend knapper
wird.�
Ursula Blickle
�Wer sich wirklich für eine Ausstellung interessiert, nimmt auch eine
längere Anreise in Kauf. Es kann nicht sein, dass Gegenwartskunst
immer nur in den Metropolen stattfindet. Das hat sich in den letzten
Jahren auch drastisch geändert. Ich darf Dr. Margrit Brehm zitieren:
"Zu fragen ist nicht länger nur nach dem �Woher�, also den Vorbildern,
derer sich die jungen Künstler bedienen, sondern zugleich nach dem
�Wohin�, also den Orten, an denen diese Kunst agiert und wahrgenommen wird.
Die Halfpipe der Vororte ist inzwischen genauso Ort der
Präsentation von �Kunst� wie das High Tech-Museum in der überfüllten
Innenstadt.� Das bezieht sich ebenso auf Japan wie auf Brasilien. Da
ich lange Zeit in Sao Paulo gelebt habe, kann ich zwar sagen, dass
mich diese Metropole nachhaltig geprägt hat, wie auch auf alle Fälle
meine Heimatstadt Wien � trotzdem bin ich überzeugt, dass ich
auch hier in der Provinz einiges erreicht habe, und ich hoffe freilich,
noch viel mehr zu erreichen.�