Stiftung

Die Ursula Blickle Stiftung fördert seit 1991 innovative Positionen nationaler und internationaler zeitgenössischer Kunst. In Kraichtal nahe Karlsruhe realisiert die Stiftung in finanzieller Unabhängigkeit jährlich vier Ausstellungen. Die Leiterin der Stiftung, Ursula Blickle, konzipiert in diesem Jahr gemeinsam mit Cristina Ricupero, Katja Schroeder, Mario Kramer und Fabian Schöneich Ausstellungen zur aktuellen Kunst. Die Stiftung genießt in der internationalen Kunstszene einen außergewöhnlichen Respekt und ist weit über die Grenzen Europas anerkannt. Oftmals werden KünstlerInnen vorgestellt, die hier ihren ersten öffentlichen Auftritt haben.
Durch Vorträge und Diskussionen, die die Ausstellungen begleiten, fungiert die Stiftung gleichzeitig als Schnittstelle zwischen der Kunst und der interessierten Öffentlichkeit, die zu allen Veranstaltungen freien Eintritt hat.

Ursula Blickle Stiftung

Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien:
”Mit vier Ausstellungen im Jahr überbietet die Stiftung so manches mittelstädtische Ausstellungshaus nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch durch die Aktualität der Themen und die Qualität der künstlerischen Beiträge, deren Auswahl jeweils von internationalen KuratorInnen getroffen wird. Ein von den Eigentümern persönlich geleitetes Haus mit all seinen Merkmalen des Privaten, was hier keineswegs gleich bedeutend ist mit Nicht-Repräsentativem, hat gegenüber öffentlich-rechtlichen Institutionen die Vorteile fehlender Bürokratie und finanzieller wie politischer Autonomie, die viele kleinere infrastrukturelle ”Mängel” auszugleichen scheint. Das Ambiente des Hauses bietet allen, die sich hier künstlerisch betätigen, eine gern anzunehmende Herausforderung.”

Ursula Blickle Stiftung

Peter Weiermair, Direktor der Galleria d`Arte Moderna, Bologna:
”Internationale aktuelle Kunst aus den USA, Südamerika, Europa oder Japan in der tiefen deutschen Provinz - in Kraichtal. Nicht nur in den Großstädten der Welt, sondern auch ausgerechnet hier im Hinterland, im Mühltal, sind die Großen der zeitgenössischen Kunst zu sehen. Was die Stiftung darstellt, verdankt sie vor allem auch der Stifterin selbst, die überall mit Hand anlegt und eingreift, Kritik übt und Zuspruch äußert, die unentschlossene Bürger zum Eintreten auffordert, sie aber auch manchmal gehörig zusammenstaucht, wenn sie Widerstand und Widerwillen spürt, die sich auf das Lager und die Haltung der jüngeren Künstler abstützt, aber auch von ihnen Zuspruch einfordert, wissend, dass man in dieser Haltung zwischen allen Stühlen sitzt. Was die Stiftung darstellt, ist dieser labile Zustand, der jedoch voll des Mutes zum Risiko ist und sich immer wieder trotz Enttäuschungen und gerade wegen der Erfolge das Weitermachen auf die Fahnen geschrieben hat.”

Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst, Frankfurt am Main:
”Es sind vorzugsweise private Kunsträume, die Möglichkeiten zu experimentellen Ausstellungen bieten, weil sie gänzlich frei sind von institutionellen Bedingungen und Zwängen. Ein solcher ausgezeichneter Ort ist die Ursula Blickle Stiftung. Freiheit um der Kunst willen wird im abgelegenen Kraichtal groß geschrieben. Innerhalb der Ausstellung Die großen Gefühle erging an mich die Einladung, eine Ausstellung mit dem Titel Joy zu kuratieren. Aber der eigentlich positiv konnotierte Titel erschien mir für die Ausrichtung einer Ausstellung zu wenig herausfordernd. Gleichzeitig wurde mir aber auch die Vieldeutigkeit dieses Begriffes immer bewusster und in welchen obskuren Zusammenhängen dieser Begriff überall auftaucht, so auch verstärkt im Kontext der Darstellung von Gewalt, die zunehmend im Medium Film ihr adäquates ästhetisches Ausdrucksmittel findet. Die Lust und das Verlangen zu quälen, zerstören und zu töten für Befriedigung und Genuss wurde infolgedessen zum Thema der Ausstellung. Dabei galt das Augenmerk nicht den Tätern, sondern dem faszinierenden und sogar unwiderstehlichen Reiz, den eine gewaltige Tat auf das Publikum ausübt. Denn durch seine sich im Voyeurismus manifestierende Lust am Grausamen mutiert der Zuschauer zum (Mit-)Täter und die Darstellung des Schrecklichen zur Banalität. Diese Mittäterschaft galt es dem Betrachter visuell und physisch bewusst zu machen.”

Ausstellungsansicht

Ursula Blickle
”Ich schätze vor allem immer wieder den lebendigen, energiegeladenen Kontakt mit den Künstlern und Kuratoren und ihre Fähigkeit, die Räume der alten Mühle neu zu entdecken und immer besser für ihre ”Inszenierungen” zu nutzen. Ich finde es spannend, neue Positionen kennen zu lernen und bestimmte Arbeiten speziell für die gegebene Situation hier zu produzieren. So gesehen, ist vielleicht gerade das Junge das Kapital der Stiftung. Durch das Engagement der verschiedenen Kuratoren, die für mich tätig waren, sind hier in Kraichtal künstlerische Positionen gezeigt worden, die manchmal einige Jahre später eine prominente Rolle im internationalen Kunstgeschehen gespielt haben. Werke in großen Ausstellungen wiederzusehen, die hier in der Stiftung schon vor einiger Zeit gezeigt worden sind, so etwas freut mich sehr. Das heißt aber nicht, dass ich mich als trendbewusste Wegbereiterin sehe. Wenn Sie sich das Programm der letzten zehn Jahre ansehen, sehen Sie in sich sehr konsequente, in ihrer Gesamtheit aber auch sehr heterogene Ausstellungen. Diese Vielfalt ist mir wichtig.”

Ursula Blickle
”Im Gegensatz zu Museen und anderen Institutionen agiere ich als Privat- mensch, was viele Vorteile hat. Es spielt keine Rolle, wie viele Besucher in eine Ausstellung kommen, obwohl ich mich natürlich über jedes Publikumsinteresse freue. Ich muss kein ausgewogenes Programm vorlegen und kann den Kuratoren, die ich einlade, freie Hand lassen. Udo Kittelmann beispielsweise hat für seine Ausstellung Joy überhaupt keine Künstler eingeladen, sondern ein Programm aus Filmen und Videoclips zusammengestellt. In einigen Fällen hat die Stiftung allerdings tatsächlich den etablierten Kunstbetrieb ergänzt. Yilmaz Dziewior etwa hat eine Ausstellung mit Cosima von Bonin kuratiert, die später weiter entwickelt im Kunstverein in Hamburg gezeigt worden ist. Überhaupt sind viele Ausstellungen nach der Präsentation hier an anderen Orten gezeigt worden, in Kunstvereinen und Museen. Auch die Katalogpublikationen, die jede Ausstellung begleiten, sind oft in Kooperation mit diesen Institutionen entstanden. Insofern sehe ich meine Stiftung nicht als Konkurrenz zu anderen Ausstellungsorten, sondern eher als Ergänzung, die dort unterstützt, wo das Geld zunehmend knapper wird.”

Ausstellungsansicht

Ursula Blickle
”Wer sich wirklich für eine Ausstellung interessiert, nimmt auch eine längere Anreise in Kauf. Es kann nicht sein, dass Gegenwartskunst immer nur in den Metropolen stattfindet. Das hat sich in den letzten Jahren auch drastisch geändert. Ich darf Dr. Margrit Brehm zitieren: "Zu fragen ist nicht länger nur nach dem ”Woher”, also den Vorbildern, derer sich die jungen Künstler bedienen, sondern zugleich nach dem ”Wohin”, also den Orten, an denen diese Kunst agiert und wahrgenommen wird. Die Halfpipe der Vororte ist inzwischen genauso Ort der Präsentation von ”Kunst” wie das High Tech-Museum in der überfüllten Innenstadt.- Das bezieht sich ebenso auf Japan wie auf Brasilien. Da ich lange Zeit in Sao Paulo gelebt habe, kann ich zwar sagen, dass mich diese Metropole nachhaltig geprägt hat, wie auch auf alle Fälle meine Heimatstadt Wien - trotzdem bin ich überzeugt, dass ich auch hier in der Provinz einiges erreicht habe, und ich hoffe freilich, noch viel mehr zu erreichen.”